steuerfreiraum Tim Fahje · Steuerberater
Compliance & Fallen

Was ist eine verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) und wie vermeidest du sie?

Tim Fahje · · 3 Min. Lesezeit

Eine vGA liegt vor, wenn die GmbH dem Gesellschafter einen Vorteil gewährt, den sie einem Fremden nicht geben würde — z.B. zu niedriger Zinssatz, zu hohe Miete oder überhöhtes Gehalt. Die vGA wird wie eine Dividende besteuert: 25% Abgeltungsteuer.

Was ist eine verdeckte Gewinnausschüttung?

Eine GmbH ist eine eigenständige juristische Person. Jede Transaktion zwischen der GmbH und ihrem Gesellschafter muss dem Fremdvergleich standhalten: Würde die GmbH unter denselben Bedingungen auch mit einem fremden Dritten kontrahieren?

Wenn nicht — wenn also die GmbH ihrem Gesellschafter einen Vorteil gewährt, den sie einem Fremden nicht geben würde — spricht man von einer verdeckten Gewinnausschüttung (vGA).

Die vGA wird steuerlich so behandelt, als hätte die GmbH den Betrag zunächst als Gewinn ausgeschüttet und der Gesellschafter ihn als Dividende erhalten:

Für die GmbH: Die vGA wird als nicht-abzugsfähige Betriebsausgabe behandelt — das zu versteuernde Einkommen der GmbH steigt.

Für den Gesellschafter: Der Vorteil wird als Kapitalertrag versteuert (25% Abgeltungsteuer + ggf. Kirchensteuer).

Die häufigsten vGA-Fallen bei Immobilien-GmbHs

1. Zu niedriger Zinssatz auf Gesellschafterdarlehen

Du leihst deiner GmbH 300.000 €, vereinbarst aber 0% Zinsen. Das Finanzamt setzt einen marktüblichen Zinssatz an (aktuell ca. 4–6% p.a.) und behandelt die Zinsdifferenz als vGA.

Jährliche vGA: 300.000 € × 5% = 15.000 € Steuerbelastung: Körperschaftsteuer GmbH + Abgeltungsteuer Gesellschafter = ca. 5.250 €/Jahr

Lösung: Schriftlicher Darlehensvertrag mit marktüblichem Zinssatz, klarem Tilgungsplan, echter Zinszahlung.

2. GmbH mietet Räume vom Gesellschafter zu überhöhten Preisen

Deine GmbH mietet ihr Büro von dir privat — zu einem Preis, der 30% über dem Marktmiete liegt. Die Differenz ist vGA.

Lösung: Mietvertrag schriftlich, zu marktüblicher Miete, Gutachten über Marktmiete wenn nötig.

3. Unentgeltliche Nutzung von GmbH-Vermögen durch den Gesellschafter

Du nutzt privat ein Fahrzeug, das der GmbH gehört — ohne Erstattung oder 1%-Regelung. Der geldwerte Vorteil ist eine vGA.

Lösung: Korrekte Versteuerung des Privatanteils (1%-Regelung oder Fahrtenbuch).

4. Unverhältnismäßiges Geschäftsführergehalt

Als Gesellschafter-Geschäftsführer zahlst du dir ein Gehalt, das für die Tätigkeit nicht angemessen ist. Das Finanzamt prüft Gehaltsvergleiche aus der Branche.

Lösung: Gehaltsvergleich mit Marktdaten, schriftlicher Anstellungsvertrag vor der Zahlung.

5. Privatausgaben über die GmbH abrechnen

Urlaub, Restaurantbesuche, Privatkleidung als Betriebsausgabe der GmbH gebucht. Klassische vGA.

Lösung: Strikte Trennung privater und betrieblicher Ausgaben.

Was passiert bei einer Betriebsprüfung?

Wenn das Finanzamt eine Betriebsprüfung durchführt und vGAs feststellt:

  1. Körperschaftsteuer-Nachzahlung der GmbH auf die vGA
  2. Nachforderung Kapitalertragsteuer beim Gesellschafter
  3. Zinsen auf Nachzahlungen (1,8% p.a. nach § 233a AO)
  4. Bei wiederholten vGAs: Mögliche steuerstrafrechtliche Konsequenzen

Die Nachzahlungszinsen allein können bei einer Betriebsprüfung, die 5 Jahre zurückgeht, erheblich sein.

Der vGA-Schutz: Dokumentation vor dem Geschäftsvorfall

Das zentrale Verteidigungsprinzip: Fremdüblichkeit muss vor dem Geschäftsvorfall vereinbart und dokumentiert sein, nicht erst bei der Betriebsprüfung.

Checkliste für vGA-Schutz:

  • Schriftliche Verträge für alle Transaktionen mit Gesellschaftern
  • Marktübliche Konditionen — belegt durch Vergleichspreise oder Gutachten
  • Tatsächliche Durchführung (Zahlungen laufen wirklich, nicht nur auf dem Papier)
  • Regelmäßige Überprüfung (Marktpreise ändern sich)

Das Compliance-Cockpit enthält ein vGA-Schutz-Modul, das alle Gesellschafter-Transaktionen laufend auf Fremdüblichkeit prüft.

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Tim Fahje

Steuerberater · Fachberater für Immobilienbesteuerung

Spezialisiert auf Immobilieninvestoren seit 15+ Jahren. Holdingstrukturen, Einspruchsverfahren, Familienübertragung — ich kenne die Fallstricke, weil ich selbst investiere.

Veröffentlicht am 19. Februar 2026

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